Internet ohne Festnetz
Wer hauptsächlich mit dem Handy oder über das Internet telefoniert, hat sich vielleicht schon gefragt, ob er ohne Festnetzanschluss online gehen kann. Internet ohne Festnetz ist zwar möglich, doch spielen entbündelte DSL-Anschlüsse in der Praxis keine so große Rolle.
Ein reiner Datenanschluss auf DSL-Basis, woran meistens zuerst gedacht wird, ist allerdings nicht die einzige Möglichkeit, wenn man Internet ohne Festnetz will, denn zwei ganz andere Lösungen bieten unter Umständen genau das, was man braucht. Die erste Möglichkeit besteht schon seit ein paar Jahren, doch durch die technischen Anstrengungen der Kabelnetzbetreiber und die Preisaktionen in diesem Jahr ist es erst jetzt besonders attraktiv geworden, Telefon, Internet und Fernsehen von einem Kabelnetzbetreiber wie Kabel Deutschland, Unitymedia oder Kabel BW zu beziehen.
Mit einem digitalen Kabelanschluss kann man jeden Monat Geld sparen, wenn man auf seinen herkömmlichen Telefonanschluss verzichtet. Die Aufpreise, um zusätzlich zu Digital-TV noch Telefonanschluss und Internetzugang über den Anschluss des Kabelnetzbetreibers laufen zu lassen, sind vergleichsweise niedrig. Für wen sich ein digitaler Kabelanschluss lohnt, haben wir kürzlich ausführlich beleuchtet.
Die andere Möglichkeit ist erst durch die in diesem Jahr kräftig in Bewegung gekommene Preisentwicklung bei UMTS-Flatrates attraktiv geworden: ganz auf den Mobilfunk zu setzen. UMTS muss nicht nur eine DSL-Alternative für Gebiete sein, wo es sonst keine schnellen Internetzugänge gibt. Internet ohne Festnetz auf diese Weise zu realisieren, ist jedoch nicht für alle Nutzertypen interessant.
Selbst bei den schnellsten Lösungen der Mobilfunkprovider und bei besten Sende- und Empfangsbedingungen liegen die Übertragungsraten mehr oder weniger deutlich unter denen eines herkömmlichen DSL-Anschlusses, von VDSL oder Kabelinternet ganz zu schweigen. Die günstigen Datenflatrates der Mobilfunkabieter sind außerdem nur bis zu einem Übertragungsvolumen von 5 GB im Monat schnell und werden dann auf GPRS-Niveau gedrosselt. Für Poweruser ist das nichts.
Wer weder schnelle Reaktionszeiten (vor allem für Online-Spiele bedeutsam) benötigt und keine großen Datenmengen übertragen möchte (Downloads von Filmen und Streaming von Videos sind sehr datenintensiv), könnte Internet ohne Festznetz auf UMTS-Basis wählen.
Das lohnt sich, wenn er unterwegs häufig mit dem Notebook online ist, also ohnehin eine Datenflatrate eines Mobilfunkanbieters infrage kommt, und sonst im Netz Dienste genutzt werden, bei denen wenige Daten übertragen werden wie beim Lesen von Artikeln, dem Schreiben von E-Mails oder dem Einkaufen in Onlineshops. Mit 5 GB kann man gut durch den Monat kommen.
Wem dagegen ein Kabelanschluss wegen des Angebots an TV- und Radioprogrammen wichtig ist, sollte über den Verzicht seines Festnetzanschlusses nachdenken. Die zunehmende Beliebtheit von Internet über Kabel resultiert jedoch nicht nur aus den attraktiven Preisen, sondern außerdem aus den besonders hohen Bandbreiten. Anschlüsse mit bis zu 32 MBit/s sind meistens verfügbar, teilweise sogar schon mehr, denn 100 MBit/s sind vielerorts das Ziel.
FAZIT: Internet ohne Festnetz kann also sowohl für diejenigen Nutzer interessant sein, die weder hohe Geschwindigkeiten benötigen, noch große Datenmengen übertragen sowie für Poweruser, denen ein DSL-Anschluss zu wenig Leistung bietet. Die UMTS-Lösung bedarf allerdings gründlicher Prüfung im Einzelfall, ob die damit verbundenen Einschränkungen die Freude über die große Ersparnis nicht zunichte machen würden.