Fernsehen ist Unterhaltungsmedium Nummer eins
Das Internet bietet so viele verschiedene Medieninhalte und wird so intensiv genutzt, dass dies nicht ohne Auswirkungen auf die klassischen Medien bleiben kann. Dennoch hat das Fernsehen die meisten Stammnutzer und ist für die Menschen in Deutschland ihr wichtigstes Unterhaltungsmedium.
Der Medienkonzern ProSiebenSat.1 hat trotz einiger Online-Aktivitäten seinen Schwerpunkt klar im Fernsehen. Da ist es naheliegend, dass man sich über veränderte Nutzungsgewohnheiten und den künftigen Stellenwert des Mediums Fernsehen Gedanken macht. Der Vermarkter der ProSiebenSat.1-Gruppe, SevenOne Media, hat gemeinsam mit dem Marktforschungsunternehmen mindline media untersucht, welche Bedürfnisse die verschiedenen Mediengattungen heute erfüllen.
Das Fernsehen ist den Ergebnissen der Studie zufolge das vielseitigste Medium, weil es “seinen emotionalen Nutzwert mit einem klaren Informationscharakter” verbinde. Demgegenüber überzeugt das Internet “vor allem mit funktionalem und sozialem Nutzen”. Die hohen Werte beim sozialen Nutzwert erklärt man sich vor allem aus dem Erfolg von Sozialen Netzwerken wie Facebook und Lokalisten. “Vor allem bei den 14-29-Jährigen dient das Internet zum sozialen Austausch. Hier werden die Aussagen ‘Ich kann am Leben anderer teilhaben’ (34 Prozent) und ‘Ich komme mit anderen Menschen in Kontakt’ (64 Prozent) am höchsten bewertet. Vor allem bei Männern erfüllt das Internet im Vergleich zu den anderen Mediengattungen soziale Nutzungsaspekte stärker”, informiert SevenOne Media heute in einem Pressetext.
Überraschend: Für aktuelle Informationen werden Fernsehen, Zeitungen und Internet ähnlich hohe Werte gegeben, wobei die Nutzung des Internets zu Informationszwecken bei Männern deutlich stärker als bei Frauen ausgeprägt ist. Das Fernsehen wird seine Rolle als Leitmedium wohl nicht so bald verlieren.
Obwohl die Zahl der Bewegtbildangebote im Internet stark wächst und diese bei den Internetnutzern sehr beliebt sind, schalteten 83 % der Befragten ihren Fernseher mindestens viermal pro Woche ein, während diese Werte beim Radio bei 67 % und bei der Zeitung bei 57 % liegen. Bei jungen Menschen sieht es allerdings schon etwas anders aus: “Auch bei der jungen Zielgruppe spielt das Fernsehen im Medienalltag eine entscheidende Rolle und wird häufig genutzt: Rund drei Viertel (71 Prozent) der 14-29-Jährigen sehen mindestens vier Mal pro Woche fern. Dieser sehr gute Wert wird nur noch vom Internet übertroffen (82 Prozent). Printmedien haben in der jungen Zielgruppe nur eine kleine Gemeinde regelmäßiger Nutzer: Zur Zeitung greift etwa ein Viertel (26 Prozent) mindestens vier Mal pro Woche, zur Zeitschrift sogar nur 13 Prozent”, schreibt SevenOne Media.
Ein weiteres wichtiges Ergebnis der Untersuchung ist, dass die Menschen den verschiedenen Medien unterschiedliche Kernkompetenzen zuschreiben: “Das Fernsehen bedient über alle Altersgruppen hinweg emotionale Aspekte der Mediennutzung am besten. Es entspannt die Befragten (62 Prozent), unterhält sie (49 Prozent) und geht ihnen richtig unter die Haut (40 Prozent). Neben dem Fernsehen punktet auch das Radio mit seiner Emotionalität – wobei sich in der Zielgruppe der 14-29-Jährigen ein deutlicher Unterschied im emotionalen Nutzen zwischen Radio (Durchschnitt 42 Prozent) und Fernsehen (Durchschnitt 48 Prozent) zeigt.”
Dieter Storll, Geschäftsführer von mindline media kommentiert die Ergebnisse so: “Neben der hohen Bedeutung des Fernsehens für das emotionale und des Internets für das soziale Erleben sind zwei Befunde bemerkenswert: Das Radio ist ein unterhaltsamer Begleiter durch den Alltag und erfüllt das Bedürfnis, nicht allein zu sein. Und die Zeitung bedient – bei Jung und Alt – am besten die Erwartung, auf dem Laufenden zu bleiben. Trotz der deutlich zugenommenen Optionen zur Mediennutzung haben demnach die klassischen Medien nach wie vor eine starke Position im Medienensemble.”
Daniel Haberfeld, Director Research SevenOne Media erläutert: “Die Ergebnisse zeigen, dass keines der abgefragten Medien ersetzbar ist – jedes Medium erfüllt für die Nutzer spezifische Funktionen. Gleichzeitig sehen wir auch, dass selbst in der jungen Zielgruppe das Fernsehen nach wie vor sehr profiliert ist und vor allem für seinen emotionalen Nutzwert geschätzt wird. So hat das Fernsehen unter den 14-29-Jährigen eine Stammnutzerschaft von 71 Prozent.”
Hier könnte man mit der Diskussion darüber kommen, ob das Internet überhaupt ein “Medium” ist und nicht beispielsweise nur die technische Infrastruktur für digitale Medien bietet. Das besitzt zumindest insoweit Relevanz als die Entwicklung durchaus in die Richtung gehen könnte, dass künftig mehr oder weniger sämtliche Inhalte über das Internet verbreitet werden. Denken wir nur einmal an IPTV wie T-Entertain! Über einen Internetzugang erhalten die Nutzer die TV-Signale. Ob ein TV-Programm über das Kabelnetz, via Satellit oder mittels IPTV auf den Fernseher kommt, erkennt der Nutzer beim Blick auf den Fernseher nicht. Wer ganz “normale” TV-Programme über das Internet schaut und dazu seinen Fernseher im Wohnzimmer benutzt, ist wohl Fernsehzuschauer! Aber doch auch Internetnutzer in dieser Zeit.
Wer den Livestream eines TV-Senders im Web verfolgt, sieht wohl ebenfalls fern. Wenn er dieselbe Sendung anschließend über ein Videoportal im Internet ein zweites Mal anschaut, was ist er dann? Das Internet als Medium zu sehen, ist also sehr problematisch. Sinnvoller erscheint mir, sich anzuschauen, auf welchen Verbreitungswegen verschiedene Arten von Inhalten genutzt werden.
Für das Fernsehen sieht es dann sogar noch viel besser aus, sind es doch gerade die typischen TV-Inhalte, die im Netz gefragt sind. Ich habe große Zweifel, dass das lineare Fernsehen, bei dem ein Fernsehsender bestimmt, wann sich Millionen von Menschen gleichzeitig auf die Wohnzimmercouch setzen, eine große Zukunft hat. Die Vorteile digitaler Videorekorder sind inzwischen sehr vielen Menschen bewusst und für das Geschäftsmodell der kommerziellen Free-TV-Sender zur Bedrohung geworden. Die Menschen werden sich immer weniger vorschreiben lassen wollen, wann sie eine bestimmte Sendung anschauen können, die Menschen wollen Video-on-Demand, auch wenn vielen das so noch nicht klar ist.
Das (und nicht DRM!) ist dann auch die Antwort auf das Problem, dass sich niemand bei einer auf Video aufgenommen Sendung die Werbeblöcke in voller Länge anschauen möchte. Beim Streaming über das Internet können die Anbieter Sendungen für Werbespots unterbrechen, wie sie es bisher schon im herkömmlichen Fernsehprogramm tun. RTL und VOX zeigen beispielsweise schon die beliebten CSI-Serien kostenlos im Netz. Allerdings könnten die Werbeblöcke viel kürzer sein, wenn die Werbespots auf jeden Nutzer individuell abgestimmt werden. Warum sollte beispielsweise ein Vegetarier Werbespots für Fleisch und Wurst sehen? Das hilft niemandem. Wer keine Werbung sehen möchte, kann sich so wie bei herkömmlichem Pay-TV gegen Bezahlung den Zugriff auf die gewünschten Bewegtbildinhalte sichern.
Mit Maxdome ist ProSiebenSat.1 (gemeinsam mit 1&1) ja selbst an einer Onlinevideothek beteiligt, die sowohl im Einzelabruf als auch in Form verschiedener Abo-Pakete sozusagen das Pay-TV des neuen Fernsehzeitalters bereits anbietet. Allerdings wächst die Zahl der Konkurrenten, die Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland und Kabel BW planen für das neue Jahr den Start eigener Video-on-Demand-Angebote.
Kategorie: Allgemein, Aktualisiert am Februar 28, 2010 von admin | Anmelden